Rückepferde für nachhaltiges Abholzen

Rückepferde - Die vierbeinigen Waldarbeiter

Ein Rückepferd wird zum Holzrücken eingesetzt. Nachdem Bäume in einem Wald gefällt wurden, folgt die Sammlung an einem Weg. Dann transportieren etwa Langholzwagen die Baumstämme ab. In den letzten Jahren sank die Anzahl der eingesetzten Pferde stark, da insbesondere moderne Fahrzeuge wie Forstschlepper verwendet wurden. Die Forstwirtschaft soll mehr Nähe zur Natur erhalten, weshalb Rückepferde wieder auf dem Vormarsch sind. Falls Sie vor den 1960-er Jahren das Licht der Welt erblickten, schwirren vielleicht Bilder von arbeitenden Rückepferden im Wald bei Ihnen im Kopf herum. Damals fand die Holzernte typischerweise mit Rückepferden statt. Durch den Koalitionsvertrag ist reglementiert, dass im Zeitraum von 2021 bis 2025 wieder mehr Pferde zum Holzrücken eingesetzt werden sollen.

Diese Pferderassen sind zum Holzrücken geeignet

Überwiegend fungieren mittelschwere Kaltblüter mit überschaubarer Körpergröße als Rückepferde. Dies liegt daran, dass Kaltblüter über gute Nerven verfügen. Allerdings sind Kaltblüter wie alle übrigen Pferde Fluchttiere, weshalb langjähriges Training vor dem Einsatz unabdingbar ist (siehe nächster Absatz). Zu den regulären Rückepferden gehören das Rheinisch-Deutsche Kaltblut, das Schleswiger Kaltblut, das Pfalz-Ardenner Kaltblut, das Schwarzwälder Kaltblut und der Noriker.

Welche Eigenschaften brauchen die Pferde?

Aufgrund der hohen Zugkraft müssen die Pferde eine hohe Agilität aufweisen. Im Wald wird es mitunter laut, dafür sorgen umfallende Bäume, abbrechende Äste, Trecker, Kettensägen und vieles mehr. Menschen können sich mit einem Gehörschutz einfach dagegen schützen, jedoch Rückepferde nicht. Deshalb wird ausschließlich unerschrockenen Pferden mit ruhigem Wesen die Aufgabe des Holzrückens anvertraut. Stolperfallen wie Wurzeln oder Baumstümpfe setzen voraus, dass die Pferde trittsicher sind. Außerdem müssen die Pferde eine adäquate Zugfestigkeit sowie Zugwilligkeit besitzen. Sie ziehen schwere Lasten, die teils eine ganze Tonne wiegen. Ein Rückepferd zu werden, ist gar nicht so einfach. Die Pferde absolvieren eine Ausbildung über mehrere Jahre, damit sie auf Stimmkommando gehorchen. Das Missachten der Befehle geht mit einem großen Risiko für Mensch und Tier einher. Deswegen ist es wichtig, dass Waldarbeiter über die entsprechende Schutzausrüstung für die Arbeit im Wald verfügen und nach jedem Einsatz sorgfältig kontrolliert wird. Dasselbe gilt natürlich für das eingesetzte Pferdegeschirr. Ferner werden die Rückepferde während ihrer Ausbildung behutsam Schritt für Schritt an ihre Aufgaben gewöhnt. Zuerst wird ohne Holz geübt. Die Tiere erhalten selbstverständlich jeweils ausreichend Bewegungsfreiheit und Futter von hoher Qualität.

Was für Kommandos erteilen die Waldarbeiter?

Die Forstarbeiter erteilen den Pferden zahlreiche Kommandos, damit diese zum Beispiel Wenden, Abbiegen, Stehenbleiben oder ein Hindernis überwinden. Das Kommando "Hü" hat die Bedeutung "Vorwärts" respektive "Los geht's". Bei diesem Kommando schnalzt der Waldarbeiter häufig mit der Zunge. Zum Anhalten bekommen die Forstarbeiter die Rückepferde mit dem Ausruf "Brr". Bayerische Forstarbeiter sagen stattdessen "ohä" und Schweizer "hüf". Unabhängig vom Wortlaut kommt das Anziehen der Zügel sowie das sanfte Zurückziehen des Halses des Vierbeiners. Falls ein Richtungswechsel nötig ist, finden "hüst" (ebenso har, jüst, hist oder wist) für links bzw. "hott" für rechts Anwendung. Englischsprachige Waldarbeiter benutzen die Äquivalente "gee" für rechts und "haw" für links.

Warum sind Rückepferde nachhaltiger als Hightech-Maschinen?

Der Klimawandel nimmt negativen Einfluss auf die Waldbestände. Diese nehmen so rapide ab, wie nie zuvor. Über die letzten Jahre hat Deutschland mehrere hunderttausend Hektar Wald eingebüßt. Forstmaschinen verschlimmern die klimatischen Bedingungen im Wald. Sie führen zu grösserer Zerstörung des Waldbodens, wohingegen Rückepferde den Boden in geringerem Maße belasten. Bäume in schlechtem Zustand ziehen wiederum Borkenkäfer an, welche die Bäume als Brutstätte ausgemacht haben. Sie befallen die Bestände und machen viele Bäume unbrauchbar. Die entsprechenden Bäume müssen so zügig gefällt werden, dass lediglich die Abholzung durch Forstmaschinen infrage kommt.

Der Verzicht der umweltschädlichen Forstmaschinen würde zu einer besseren Qualität der Waldbestände und infolgedessen zu weniger Befall durch Borkenkäfer führen. Auf diese Weise wären Abholzungen aus der Not heraus deutlich seltener erforderlich. Die Räder oder Kettenlaufwerke der Forstmaschinen üben aufgrund des hohen Gewichts starken Druck auf den Boden aus, sodass sich der Waldboden verdichtet. Dies wird durch das ständige Fahren derselben Wege verschlimmert. Ein verdichteter Boden kennzeichnet sich durch ein minimiertes Volumen der Hohlräume. Dadurch wird die Transportation von Wasser sowie Luft erschwert, was wiederum die Ursache für schlechte Erträge und Wuchsbedingungen darstellt. Bei einem verdichteten Boden versickert das Wasser nicht mehr ausreichend, weshalb sich jenes auf dem Boden ansammelt. Insofern Starkregen eintritt, schwindet der Boden und es kommt zur Überschwemmung.

Während bestimmte Gebiete mit Forstmaschinen nur durch die Abholzung vieler Bäume oder gar nicht erreicht werden können, gelangen Rückenpferde an diese Orte, ohne die Natur zu zerstören. Der Weg zum Sammelplatz der Baumstämme heißt Rückegasse. Dieser wird oft befahren. Durch das dauernde Befahren leidet der Boden der Rückegasse unter einem starken Druck. Dagegen schaden die Fußabdrücke von Pferden dem Boden kaum. Durch den Einsatz der Pferde soll die Erhaltung der Natur sichergestellt werden. Viele Personen denken, dass Rückepferde ein Schritt zurück seien. Jenes liegt nahe, weil die Arbeit mittels Maschinen weniger Zeit in Anspruch nimmt. Die Forstarbeiter bieten Workshops an, in denen Sie sich von der Sinnhaftigkeit der Rückepferde überzeugen können. Sie erfahren in einer persönlichen Atmosphäre, warum die Holzernte lieber mit Rückepferden vonstattengehen sollte. Die Rückbesinnung auf Pferde muss nicht den vollständigen Verzicht auf Maschinen bedeuten. Die Raupe, welche ebenso als eisernes Pferd bezeichnet wird, bewegt die Baumstämme mittels einer Seilwinde. Sie kommt in einer niedlichen Größe daher und ist somit deutlich umweltschonender als die größeren Forstmaschinen.

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